Betriebliche Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz – das müssen Arbeitgeber bei der erfolgreichen Umsetzung beachten

by Sarah Kotysch

Gesundheit ist unser wertvollstes Gut, und der Erhalt sowie die Förderung unserer Gesundheit sind entscheidende Elemente für ein erfülltes Leben. Genauso sind gesunde Mitarbeitende der Schlüssel für ein erfolgreiches Unternehmen. Das Thema Gesundheitsförderung wird in Zeiten stetiger Veränderung und steigendem Arbeitsdruck für Arbeitgeber also immer relevanter. Arbeitgeber, die ihre Beschäftigten unterstützen und deren Wohlbefinden fördern, profitieren nicht nur von einer gesteigerten Produktivität, sondern auch von einer positiven Unternehmenskultur. In diesem Artikel zeigen wir, was Arbeitgeber bei der betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) beachten müssen und welche konkreten BGF-Maßnahmen in Unternehmen (steuerfrei) umgesetzt werden können. 

Was versteht man unter betrieblicher Gesundheitsförderung (BGF)?

Gesundheitsförderung als Präventionsmaßnahme

Gesundheitsförderung ist ein ganzheitlicher Ansatz, der darauf abzielt, die Gesundheit auf individueller, sozialer und gesellschaftlicher Ebene zu stärken. Dabei steht nicht nur die Abwesenheit von Krankheit im Vordergrund, sondern vielmehr das Streben nach körperlichem, geistigem und sozialem Wohlbefinden. Durch Aufklärung, Prävention und die Schaffung gesundheitsförderlicher Umgebungen soll das Bewusstsein für Themen rund um einen gesunden Lebensstil gefördert werden. Seit einigen Jahren steht die Gesundheitsförderung auch auf der Agenda vieler Arbeitgeber und wird somit als “betriebliche Gesundheitsförderung (BGF)” bezeichnet. Somit ist die Gesundheit nicht mehr nur Privatsache, sondern erhält mehr und mehr Aufmerksamkeit in der Arbeitswelt.

Bei der (betrieblichen) Gesundheitsförderung liegt der Fokus auf Prävention. Das bedeutet, dass hauptsächlich vorbeugende Maßnahmen umgesetzt werden, die darauf abzielen, das Auftreten von Krankheiten und Gesundheitsproblemen zu verhindern. Dieser Ansatz ist kosteneffektiver als der reaktive Ansatz und legt den Fokus darauf, potenzielle Risikofaktoren zu minimieren.

Definition betrieblicher Gesundheitsförderung (BGF)

Infobox: Was ist betriebliche Gesundheitsförderung?

Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) bezieht sich auf Leistungen und Strategien, die darauf abzielen, die Gesundheit, das Wohlbefinden und die Arbeitsfähigkeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in einem Betrieb zu fördern. Diese Leistungen sollen nicht nur die physische Gesundheit, sondern auch die psychische Gesundheit und das allgemeine Wohlbefinden bei der Arbeit verbessern. Betriebliche Gesundheitsförderung umfasst verschiedene Leistungen und Aktivitäten wie Gesundheitschecks, ergonomische Arbeitsplatzgestaltung, Förderung von gesunden Lebensstilen, Stressbewältigung und die Schaffung einer unterstützenden Arbeitsumgebung. Ziel ist es, die Arbeitsbedingungen und -kulturen so zu gestalten, dass die Mitarbeitenden ihre Gesundheit aktiv fördern können und die Effizienz und Zufriedenheit bei der Arbeit steigt.

Betriebliche Gesundheitsförderung als Teilbereich des betrieblichen Gesundheitsmanagements

Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) ist ein Teilbereich des betrieblichen Gesundheitsmanagements. Es unterscheidet sich hinsichtlich der Maßnahmen und des Umfangs im Betrieb. Die wesentlichen Unterschiede sind:

Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) legt ihren Schwerpunkt auf konkrete Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der Fokus liegt hierbei also auf dem Individuum und nicht auf der gesamten Organisation. BGF bezieht sich auf Aktivitäten, Themen und Programme, die darauf abzielen, die physische und psychische Gesundheit der Belegschaft zu verbessern und zu erhalten. Die BGF umfasst spezifische Gesundheitsmaßnahmen, wie z.B. Sportprogramme, Ernährungsberatung, Stressbewältigungsseminare, Raucherentwöhnungsprogramme und ähnliche Angebote, die direkten Nutzen für die Gesundheit der Beschäftigten haben.

Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) ist hingegen ein umfassenderer Ansatz, der nicht nur auf konkrete Leistungen abzielt, sondern auch die organisatorischen Strukturen und Rahmenbedingungen im Unternehmen berücksichtigt. Es betrachtet die Gesundheit der Mitarbeitenden als integralen Bestandteil der Unternehmenskultur. Neben den konkreten Gesundheitsmaßnahmen umfasst das BGM zum Beispiel auch die Gestaltung von Arbeitsprozessen, Führungskultur, Arbeitszeitmodelle, Kommunikation und andere organisatorische Aspekte, die sich auf die Gesundheit der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen auswirken. 

BGM basiert auf drei Säulen:

  • Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF)
  • Gesundheits- und Arbeitsschutz
  • Betriebliches (Wieder-) Eingliederungsmanagement (BEM)

In vielen Fällen wird der Begriff Betriebliches Gesundheitsmanagement als Oberbegriff verwendet, der sowohl die strategische Planung (BGM) als auch die konkreten Gesundheitsmaßnahmen (BGF) umfasst. Das BGM bildet den Rahmen, innerhalb dessen die BGF-Maßnahmen des Arbeitgebers eingebettet sind. Beide Ansätze streben letztendlich eine ganzheitliche Betrachtung der Mitarbeitergesundheit an, um das Wohlbefinden bei der Arbeit zu fördern und langfristig zu erhalten.

Vorteile von Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz

Infobox: Welche Vorteile bringt betriebliche Gesundheitsförderung?

Produktivitätssteigerung durch gesunde Mitarbeitende

Gesunde Mitarbeitende sind leistungsfähiger und produktiver. Wenn Arbeitnehmer:innen sich körperlich und geistig wohlfühlen, können sie ihre Aufgaben effizienter erledigen. Ein Unternehmen, das in die Gesundheit seiner Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen investiert, investiert gleichzeitig in die Steigerung der Produktivität und die Qualität der Arbeitsergebnisse.

Reduzierung von Krankheitsausfällen

Krankheitsbedingte Ausfälle kosten Unternehmen nicht nur Geld, sondern beeinträchtigen auch den Arbeitsfluss und die Teamdynamik. Durch gezielte Gesundheitsförderung können Arbeitgeber dazu beitragen, Krankheitsausfälle zu reduzieren. Leistungen wie betriebliche Impfungen, gesunde Ernährung, Fitnessprogramme und Stressmanagement können die allgemeine Gesundheit der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen stärken und somit die Anzahl der Krankheitstage verringern.

Mitarbeiterbindung und -gewinnung

Unternehmen, die sich um das Wohl ihrer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen kümmern, steigern sowohl ihre Arbeitgeberattraktivität als auch die Mitarbeiterbindung deutlich. Die heutige Generation legt vermehrt Wert auf eine ausgewogene Work-Life-Balance und eine positive Arbeitsumgebung. Arbeitgeber, die Gesundheitsförderung im Betrieb integrieren, können ihre Beschäftigten nicht nur besser ans Unternehmen binden, sondern auch einfacher talentierte Fachkräfte für sich gewinnen.

Förderung einer positiven Unternehmenskultur

Eine gesunde Arbeitsumgebung fördert eine positive Unternehmenskultur. Wenn Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen das Gefühl haben, dass ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden vom Unternehmen geschätzt werden, steigt die Zufriedenheit und Motivation. Eine positive Unternehmenskultur trägt also nicht nur zur Mitarbeiterbindung bei, sondern schafft auch ein positives Betriebsklima, in dem Kreativität und Teamgeist großgeschrieben werden.

Stressmanagement und psychische Gesundheit

Der moderne Arbeitsalltag ist häufig von hohem Stress geprägt. Arbeitgeber, die Maßnahmen zur Stressbewältigung und Förderung der psychischen Gesundheit implementieren, tragen dazu bei, dass ihre Mitarbeitenden besser mit Belastungen und herausfordernden Themen umgehen können. Leistungen wie Yoga-Kurse oder Entspannungstechniken sind gut zur Prävention und können die Resilienz und das Wohlbefinden der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen stärken.

Gesundheitsförderung Arbeitgeber – beliebte Maßnahmen

Welche Maßnahmen gehören also zur Gesundheitsförderung und Prävention durch den Arbeitgeber? Allgemein gesagt gehören Maßnahmen rund um gesunde Ernährung, regelmäßige körperliche Aktivität, Impfungen, Vorsorgeuntersuchungen und der Verzicht auf gesundheitsschädliche Verhaltensweisen wie Rauchen oder übermäßigen Alkoholkonsum zur Gesundheitsförderung eines Individuums. 

Im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung des Arbeitgebers wird oft zwischen sogenannter Verhältnisprävention und Verhaltensprävention unterschieden. Während die Verhaltensprävention auf das Verhalten der Mitarbeitenden abzielt, befasst sich die Verhältnisprävention auf den Arbeitsplatz und die Arbeitsbedingungen in einem Unternehmen. Beide Bereiche sind wichtig, um die Mitarbeitergesundheit und das Wohlbefinden bei der Arbeit zu fördern. Entsprechende Maßnahmen des Arbeitgebers in beiden Bereichen sind eng miteinander verknüpft und eine Kombination verhaltenspräventiver und verhältnispräventiver Maßnahmen ist besonders wirkungsvoll. Maßnahmen im Bereich Verhältnisprävention und Verhaltensprävention können sein:

Verhaltensprävention

  • Ernährungsberatung oder Ernährungskurse
  • Stressmanagementkurse
  • Achtsamkeitstraining
  • Sportkurse, wie Yoga, Pilates, Rückengymnastik etc.
  • Beratungen zur Suchtmittelentwöhnung

Verhältnisprävention

  • Ergonomischer Arbeitsplatz
  • Gesundes Kantinen- bzw. Snack- und Getränkeangebot
  • Positives Betriebsklima ohne Mobbing
  • Flexible Arbeitszeiten und Work-Life-Balance
  • Transparente interne Kommunikation
  • Gesundheitsgerechtes Führungsverhalten

Zertifizierte Gesundheitsmaßnahmen

Infobox: Wie können Unternehmen von der Steuerbefreiung bei BGF profitieren?

Bestimmte Maßnahmen im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung unterliegen der Steuerbefreiung nach § 20b SGB V. Diese zertifizierten Gesundheitsmaßnahmen sind hauptsächlich aus den Handlungsfeldern Bewegungsgewohnheiten, Ernährung, Stress- und Ressourcenmanagement sowie Suchtmittelkonsum.

Welche Maßnahmen konkret dazu gehören, wird im Leitfaden Prävention vom Verband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV-Spitzenverband) genauer beschrieben. Nur Maßnahmen und Kurse, die den Krankenkassen Bestimmungen entsprechen, können offiziell zertifiziert werden und sich für die Steuerbefreiung nach § 20b SGB V qualifizieren.

Zertifizierte Präventionskurse, die von den gesetzlichen Krankenkassen oder der Zentralen Prüfstelle Prävention anerkannt sind, können entweder im Betrieb oder außerhalb stattfinden.

Andere beliebte Maßnahmen wie Betriebssport oder der Besuch eines Fitnessstudios fallen nicht unter die Steuerbefreiung im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung, können aber über den steuerfreien Sachbezug angeboten werden.

Bewegung als Schlüsselkomponente der betrieblichen Gesundheitsförderung

Die heutige Arbeitswelt ist mehr und mehr von sitzenden Tätigkeiten geprägt. Wenn das nicht aktiv von den Beschäftigten ausgeglichen wird, kommen schnell Beschwerden zum Vorschein. Die wohl häufigste “Volkskrankheit” sind Rückenschmerzen. Sie sind auf Dauersitzen und Bewegungsmangel zurückzuführen. Aber auch Symptome wie Gelenkschmerzen, Verdauungsstörungen, Typ-2-Diabetes und viele weitere körperliche Krankheiten treten durch Bewegungsmangel auf. Hinzu kommen die mentalen Beschwerden, die durch den fehlenden Ausgleich entstehen.

Deshalb ist Bewegung einer der bedeutendsten Bausteine in der betrieblichen Gesundheitsförderung. Hierbei können Arbeitgeber sowohl vor, während oder nach der Arbeitszeit Gesundheitskurse anbieten. Mitarbeitende sollten aber auch zusätzlich motiviert werden, in der Freizeit Sport zu treiben. Hierfür sind zertifizierte Gesundheitskurse wie Yoga oder Pilates gut geeignet. Aber auch eine breit gefächerte Firmenfitness-Mitgliedschaft kann das richtige sein, um die Interessen aller Mitarbeitenden abzudecken. 

Gesundheitsförderung Arbeitgeber – was gibt es zu beachten?

Gesundheitsförderung steuerlich absetzbar

Wie bereits beschrieben, bringt die Gesundheitsförderung des Arbeitgebers nicht nur viele Vorteile, sondern ist unter bestimmten Voraussetzungen auch steuerfrei. Das heißt, für Unternehmen fallen keine hohen Kosten bei der Förderung der Mitarbeitergesundheit an. In §3 Nummer 34 Einkommenssteuergesetz (EStG) wird die Förderung der Mitarbeitergesundheit geregelt. Hier heißt es “Steuerfrei sind […] zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn erbrachte Leistungen des Arbeitgebers zur Verhinderung und Verminderung von Krankheitsrisiken und zur Förderung der Gesundheit in Betrieben […] soweit sie 600 Euro im Kalenderjahr nicht übersteigen”.

Präventionskurse und weitere Maßnahmen

Um die Steuerfreiheit nach §3 Nummer 34 EStG zu nutzen, muss es sich bei den Angeboten um vom Verband der gesetzlichen Krankenkassen zertifizierte Präventionskurse handeln. Zertifiziert werden nur solche Maßnahmen, die laut Gesetz “den Einzelnen motivieren und befähigen sollen, die Möglichkeiten einer gesunden und Störungen oder Erkrankungen vorbeugenden Lebensführung auszuschöpfen”. Unter bestimmten Voraussetzungen können auch nicht zertifizierte Präventionskurse durch den Arbeitgeber unterstützt werden. So können laut Gesetz diejenigen nicht zertifizierten Präventionskurse bezuschusst werden, deren “Leistungen Bestandteil eines betrieblichen Gesundheitsförderungsprozesses sind, der nach § 20b SGB V bezuschusst wurde” oder die “hinsichtlich Qualität, Zweckbindung und Zielgerichtetheit den Anforderungen des § 20 SGB V genügen”.

Bei diesem Thema gibt es außerdem Folgendes zu beachten: Die oben genannten steuerfreien Maßnahmen im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung fallen nicht in denselben Steuertopf wie steuerfreie Sachbezüge. Steuerfreie Sachbezüge sind in § 8 Abs. 2 EstG geregelt. Für Sachbezüge nach § 8 Abs. 2 EstG können weitere 50 Euro pro Kalendermonat pro Mitarbeitenden steuerfrei aufgewendet werden.

Ob dein Unternehmen unter die Steuerbefreiung nach §3 Nummer 34 Einkommenssteuergesetz (EStG) fällt, oder du die Maßnahmen lieber im Rahmen von § 8 Abs. 2 EstG absetzen solltest, klärst du am besten direkt mit deinem:r Steuerberater:in. Klar ist: Im Rahmen der Gesundheitsförderung können bare Euro gespart werden.

Gesetzliche Verpflichtung der Gesundheitsförderung

In Deutschland ist nur das Arbeitsschutzgesetz verpflichtend, das Unternehmen dazu auffordert, einen sicheren Arbeitsplatz ohne direktes Gesundheitsrisiko zu schaffen. In $4 ArbSchG heißt es, “Die Arbeit ist so zu gestalten, dass eine Gefährdung für […] die physische und die psychische Gesundheit möglichst vermieden […] wird”. Um das zu unterstützen, sind Maßnahmen im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung gut geeignet. Allerdings ist die betriebliche Gesundheitsförderung anders als der Arbeitsschutz nicht gesetzlich verpflichtend, sondern eine freiwillige Leistung. Für die gesetzlichen Krankenkassen sind BGF-Maßnahmen allerdings eine verpflichtende Leistung. Im Jahr 2015 wurde das Präventionsgesetz (§ 20b SGB V) verabschiedet, um bei der Stärkung gesundheitsförderlicher Strukturen in Unternehmen zu unterstützen. 

Gesundheitsförderung für alle Mitarbeitenden

Wichtig bei der Umsetzung der Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz ist, dass die Maßnahmen für alle Mitarbeitenden gleichermaßen zugänglich sind. Hierbei sollte nicht zwischen der Position, dem Arbeitsstandort oder der Betriebszugehörigkeit unterschieden werden. Auch sollte die Belegschaft in gleichem Umfang über mögliche Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung informiert werden, sodass sie die gleichen Voraussetzungen haben, die Maßnahmen in Anspruch zu nehmen. Genau wie bei der Personalauswahl sollte auch bei gesundheitsfördernden Maßnahmen auf Diversität geachtet werden – so ist für jede:n etwas dabei. Heutzutage bietet es sich auch an, ein digitales Angebot bereitzustellen.

Betriebliche Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz – der Prozess

Um die betriebliche Gesundheitsförderung zum Erfolg zu machen, ist es wichtig, eine feste Struktur und Herangehensweise zu etablieren. So können die finanziellen und personellen Ressourcen bestmöglich eingesetzt werden.

Infobox: Umsetzung von BGF in vier Schritten

Ganz allgemein lässt sich die Umsetzung betrieblicher Gesundheitsförderung in vier Schritte unterteilen: 

  1. Bedarfsanalyse: 
  • Zielsetzung festlegen
  • Aktuellen Stand der Mitarbeitergesundheit prüfen
  • Vorhandene Maßnahmen auswerten
  • Mitarbeitende nach Wünschen und Bedürfnissen befragen
  1. Planung und Konzeption
  • Bedarfsanalyse auswerten und Handlungsbedarf aufdecken
  • Handlungsschritte inkl. Verantwortlichkeiten, Ressourcen und Zeitplan festlegen
  • Maßnahmen unter Einbeziehung aller Stakeholder festlegen
  1. Umsetzung
  • Einführung der Maßnahmen
  • Informieren der Beschäftigten
  • Regelmäßige Updates zum aktuellen Stand
  1. Auswertung
  • Auswertung der Mitarbeiterbeteiligung
  • Vergleich der Zielsetzung mit dem tatsächlichen Ergebnis
  • Evaluation, welche Ziele erreicht wurden und wo nachgebessert werden muss

Betriebliche Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz – Zuständigkeiten im Unternehmen

Die Verantwortlichkeiten für betriebliche Gesundheitsförderung können je nach Unternehmensstruktur variieren. In vielen Unternehmen gibt es spezielle Fachkräfte oder Abteilungen, die sich um das Thema Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) und die Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) kümmern. Hierbei ist es auch wichtig zu betonen, dass die betriebliche Gesundheitsförderung oft eine interdisziplinäre Aufgabe ist, die die Zusammenarbeit verschiedener Abteilungen erfordert. Je nach Unternehmensgröße werden die Aufgaben von einzelnen Personen oder ganzen Abteilungen übernommen. In jedem Fall ist es wichtig, für feste Strukturen und Verantwortlichkeiten zu sorgen, um größtmögliche Erfolge zu erzielen.

Typischerweise werden die Aufgaben von den folgenden Personen oder Abteilungen übernommen:

Betriebliche:r Gesundheitsmanager:in

In größeren Unternehmen gibt es oft eigens dafür ausgebildete Betriebliche Gesundheitsmanager:innen. Diese Fachleute sind für die Entwicklung, Umsetzung und Evaluation von Gesundheitsmaßnahmen verantwortlich. Sie koordinieren die verschiedenen Aspekte des Betrieblichen Gesundheitsmanagements und stehen als Ansprechpartner:innen für die Mitarbeitenden zur Verfügung.

Personalabteilung

Die Personalabteilung spielt ebenfalls eine wichtige Rolle in der betrieblichen Gesundheitsförderung. Sie kann in enger Zusammenarbeit mit dem Betrieblichen Gesundheitsmanagement stehen und bei der Implementierung von Maßnahmen unterstützen. Die HR-Abteilung ist oft auch für die Kommunikation und Sensibilisierung der Arbeitnehmer:innen bezüglich der Gesundheitsförderung zuständig.

Arbeitsmediziner:innen oder Betriebsarzt:innen

Betriebsärzte oder Ärztinnen oder Arbeitsmediziner:innen sind ebenfalls wichtige Akteure im betrieblichen Gesundheitsmanagement. Sie tragen dazu bei, gesundheitliche Risiken bei der Arbeit zu identifizieren, beraten zu präventiven Maßnahmen und unterstützen bei der Umsetzung von Gesundheitsprogrammen.

Betriebsrat

Auch der Betriebsrat kann eine wichtige Rolle bei der Förderung der Mitarbeitergesundheit spielen. In vielen Ländern haben Betriebsräte Mitbestimmungsrechte in Bezug auf Gesundheits- und Arbeitsschutz. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Betriebsrat und Unternehmensführung ist daher relevant.

Geschäftsführung

Die oberste Führungsebene trägt die Gesamtverantwortung für die Unternehmenspolitik, einschließlich der betrieblichen Gesundheitsförderung. Die Geschäftsführung sollte das Bewusstsein für die Wichtigkeit der Mitarbeitergesundheit fördern und Ressourcen für entsprechende Maßnahmen bereitstellen.

Betriebliche Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz – Erhöhung der Mitarbeiterbeteiligung

Betriebliche Gesundheitsförderung kann nur dann ihre positive Wirkung im Unternehmen entfalten, wenn die Mitarbeiterbeteiligung entsprechend hoch ist. Hier sind einige Tipps, um die Mitarbeiterbeteiligung zu steigern:

Infobox: Tipps zur Erhöhung der Mitarbeiterbeteiligung

Transparente Kommunikation

Verantwortliche sollten klarstellen, warum betriebliche Gesundheitsförderung wichtig ist und welche Vorteile sie für Mitarbeitende und Unternehmen bietet. Außerdem sollte die Belegschaft regelmäßig Informationen über laufende und geplante Gesundheitsinitiativen erhalten.

Involvierung der Mitarbeitenden

Wenn Arbeitnehmer:innen schon früh in die Planung von Gesundheitsprogrammen integriert werden, ist das Interesse meist größer. Hierfür können Umfragen oder Workshops angeboten werden, um Bedürfnisse und Interessen zu identifizieren. Außerdem sollten Verantwortliche regelmäßig Feedback einholen und den Erfolg analysieren.

Vielfältige Angebote

Es sollte eine breite Palette von Gesundheitsmaßnahmen angeboten werden, die verschiedene Interessen und Bedürfnisse ansprechen. So ist für jede:n etwas dabei. Auch gemeinsame Sportaktivitäten, Challenges oder Gesundheitswettbewerbe sind empfehlenswert, da sie für mehr Kontakt zwischen den Kolleg:innen sorgen und somit Teamgeist fördern.

Integration in den Arbeitsalltag

Für eine hohe Mitarbeiterbeteiligung sollten die Maßnahmen möglichst einfach umzusetzen sein. Verantwortliche sollten also dafür sorgen, dass die Gesundheitsaktivitäten einfach in den Arbeitsalltag eingebunden werden können. Das funktioniert zum Beispiel durch flexible Arbeitszeitmodelle, kurze Pausen für Bewegung oder die Möglichkeit, an virtuellen Gesundheitsveranstaltungen teilzunehmen.

Anreize schaffen

Auch durch kleine Anreize kann die Mitarbeiterbeteiligung erhöht werden. So kann die Teilnahme an Gesundheitsprogrammen mit kleinen Extras, wie z.B. Gutscheinen, zusätzlichen freien Tagen oder anderen kleinen Prämien belohnt werden. 

Gesunde Arbeitsumgebung fördern

Die Basis für mehr Mitarbeitergesundheit liegt in einer gesunden Arbeitsumgebung. Dazu gehören ergonomische Arbeitsplätze, Pausenräume und Anreize für gesunde Verhaltensweisen. Auch eine sichtbare Führungsbeteiligung zeigt der Belegschaft deutlich, dass die Mitarbeitergesundheit einen hohen Stellenwert im Unternehmen hat. 

Gesundheitsförderung im Betrieb ist nicht nur eine Investition in das Wohl der Mitarbeitenden, sondern auch in den langfristigen Erfolg des Unternehmens. Arbeitgeber, die ihre Verantwortung für die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden ernst nehmen, profitieren von einer gesteigerten Produktivität, geringeren Krankheitsausfällen, einer positiven Unternehmenskultur und einer besseren Positionierung auf dem Arbeitsmarkt. Die Implementierung von gezielten Leistungen zur Gesundheitsförderung ist daher nicht nur eine ethische Entscheidung, sondern auch eine strategische Investition in die Zukunft des Unternehmens. Bei der Einführung der betrieblichen Gesundheitsförderung gibt es seitens des Arbeitgebers allerdings einiges zu beachten. Unternehmen sollten sich also genau über ihre Möglichkeiten informieren, um den größtmöglichen Mehrwert für sich und ihre Belegschaft zu erzielen. 

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