Führungskräfte werden zu Beziehungsprofis

by Alena Diduch

Covid-19 hat die Arbeitsweise in allen Branchen nachhaltig verändert. Wie hat Urban Sports Club in kürzester Zeit die Wandlung von Hypergrowth zu einem neuen Arbeitsmodell gemeistert, in dem Kurzarbeit, ein veränderter Markt und Online-Meetings an der Tagesordnung stehen? Wie kann man diese Herausforderungen bewältigen und dabei die Mitarbeiterkultur beibehalten, agil bleiben und im gleichen Atemzug eine „neue Normalität“ kreieren? Felix Berghöfer, VP People, gibt einen Einblick.

felix berghöfer

Felix Berghöfer ist VP People bei Urban Sports Club. Seine Karriere startete Felix nach seinem Psychologiestudium als selbstständiger Unternehmensberater im Bereich der Personal- und Organisationsentwicklung. 2018 verbrachte Felix einen Monat im Silicon Valley, um sich Organisationsstrukturen, Performance Management & Employer Branding Ansätze vor Ort anzuschauen.

Seit Oktober 2019 verstärkt er als VP People das Management Team von Urban Sports Club.

Felix, was hat sich im Arbeitsalltag bei Urban Sports Club seit Beginn der Pandemie am meisten geändert?

Die Arbeit im Home-Office hat zu erheblicher Isolation bei der Arbeit ohne adäquaten Ausgleich geführt, noch einmal verstärkt durch die behördlich angeordneten Lockdowns. Insbesondere die Abgrenzung von Privatsphäre und Arbeitsalltag war da nur schwer möglich. Außerdem wog und wiegt der Verlust des informellen Austauschs im Büro schwer. Dadurch gehen im Home-Office Spontaneität und Kreativität verloren, Innovation und kreative Lösungsfindung sind nur sehr schwer möglich.

Videokonferenzen sind kein adäquater Ersatz?

Insbesondere Videomeetings verdichten die Arbeit enorm und führen zu immer weniger Selbstbestimmung in der Arbeitsorganisation. Die Folgen sind zunehmende Erschöpfung und Überlastung. Ein weiterer Nebeneffekt: Durch die meist geplanten Videocalls findet vorrangig nur fachlich-themenbezogener Austausch statt. Das Ergebnis: die viel beschriebene Zoom Fatique.

Welchen neuen Herausforderungen ergeben sich für Führungskräfte mit Blick auf die Firmenkultur?

Führungskräfte werden wesentlich stärker als Coaches, Moderatoren und Prozessbegleiter im Team gebraucht. Sie müssen sicherstellen, dass die Zusammenarbeit im Team gelingt und verbessert wird. Da hilft ihnen die traditionelle Rolle als Manager*in weniger. Sie müssen vor allem auf drei Aspekte besonders hinwirken: Vertrauen, Identität und Strukturen gemeinsam mit dem Team schaffen.

Führungskräfte sozusagen als Beziehungsprofis?

Genau. Sie sollten sowohl Beziehungen mit jedem Teammitglied aufbauen, als auch in der Lage sein, Beziehungen innerhalb des Teams zu gestalten und zu moderieren. In räumlich getrenntem Arbeiten benötigen Mitarbeitende noch einmal mehr Struktur, als es ohnehin der Fall ist.  Wichtige Skills sind unter anderem: 

  • Sehr gut zuhören können und Ausgleich zwischen Positionen schaffen
  • Mit Ambiguität umgehen
  • Sich an Komplexität und sehr schnelle Veränderung anpassen können 
  • Ein Verständnis dafür entwickeln, Auswirkungen ihres Handelns zu reflektieren und zu antizipieren
  • Verständnis dafür, die Gesundheit der Mitarbeiter zu erhalten

Was passiert, wenn Führungskräften dies nicht gelingt? 

Führungskräfte, die weiterhin starr mit hierarchischen Strukturen arbeiten, drohen öfter zu scheitern, weil sie mit der Geschwindigkeit und der Gleichzeitigkeit von Ereignissen im Team nicht mehr Schritthalten können. Führungskräfte müssen Arbeitsprozesse im Team orchestrieren und ihre Mitarbeitenden mit sinnvollen Strukturen unterstützen – etwa durch neue Meetingformate oder digitale Kollaborationstools.

Welche konkreten Ansätze hat Urban Sports Club im Rahmen des New Normal  verfolgt?

  • Wir sind sehr schnell in den Hybrid-Mode übergegangen, das heißt: Unsere Mitarbeitenden können selbst entscheiden, von wo sie arbeiten möchten – von zu Hause oder vom Office. 
  • Mitarbeitende können ihr Büromaterial (Laptop, Bildschirm, Bürostuhl) mit nach Hause nehmen
  • Wir unterstützen Eltern mit zusätzlichen freien Tagen für Kinderbetreuung und zusätzlichem Equipment für ihre schulpflichtigen Kinder, falls Laptop und Webcam zu Hause fehlen.
  • Wir sorgen für Verbundenheit und Ausgleich durch die Nutzung unseres eigenen Produkts und virtuelle Teamevents. So bieten wir zum Beispiel Workouts für das gesamte Team in sechs Ländern gleichzeitig an.
  • Am Internationalen Tag des Sports gab es für alle Mitarbeitenden einen freien Tag extra zum Sport treiben und zur Erholung. 

Vielen Dank, Felix, für das Gespräch.

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