Lieber im Fitnessstudio als krank im Bett: Können Gesundheitsleistungen Fehltage reduzieren?

by Matt Warnock
Fehltage reduzieren

Fehltage sind für viele Betriebe der schleichende Tod. Nicht so deutlich wie sinkende Verkaufszahlen und bei weitem nicht so ausschlaggebend wie der neue Wettbewerber, der nach und nach Marktanteile an sich reißt, können krankheitsbedingte Fehltage und die damit verbundenen Produktivitätsverluste dennoch für einige Betriebe das Zünglein an der Waage sein. 

Schätzungen der CIPD Management Umfrage aus dem Jahr 2016*¹ zufolge verlieren Firmen aufgrund krankheitsbedingter Fehltage jährlich rund 660 € pro Mitarbeiter. Das amerikanische White Paper “According to Absenteeism: The Bottom-Line Killer*² geht sogar von Kosten bis zu 2.700 € jährlich aus. 

Rechnet man diese Zahlen auf die gesamte Belegschaft eines großen Unternehmens hoch, wird einem der Ernst der Lage bewusst. In kleinen Unternehmen hingegen sind die unnötigen Kosten und der Produktivitätsverlust nur schwer abzufangen und können im schlechtesten Fall eine sinkende Arbeitsmoral nach sich ziehen. Egal ob Aktiengesellschaft oder GbR, jedes Unternehmen hat viel zu verlieren. Insbesondere, wenn die Kosten vermeidbar sind…

Können Fehltage vermieden oder zumindest reduziert werden? 

Wer hat sich nicht schon über Kollegen lustig gemacht, die sich wegen eines Katers oder in Aussicht auf ein verlängertes Wochenende krankmelden. Doch der oben genannte CIPD Bericht aus dem Jahr 2018 zeigt, dass solche Ausreden nur rund 1% der Fehltage ausmachen. In 99% der Fälle melden sich Mitarbeiter krank, weil sie tatsächlich krank sind!

Wenn das der Fall ist, ist es dann wirklich möglich, krankheitsbedingte Fehltage zu reduzieren? Kann es sein, dass eine fittere und aktivere Belegschaft nicht nur das Engagement und die Produktivität steigert? Könnte es ein Mittel geben, das Mitarbeiter länger gesund bleiben lässt und somit die tatsächliche Arbeitszeit steigt? 

Bis vor Kurzem waren der Zusammenhänge zwischen Fitness und Fehltagen eher Theorien als tatsächlich messbare Fakten. Eine Tatsache, die unter Arbeitgebern für viel Zynismus sorgte. 

Viele Mitarbeiterorganisationen innerhalb des Vereinigten Königreichs – wie “Health and Safety Executive”, “Advisory”, “Conciliation and Arbitration Service” sowie “Investors in People” – haben Untersuchungen angestellt*³, wie ernst Arbeitgeber den Zusammenhang zwischen betrieblicher Gesundheitsvorsorge und Fehltagen nehmen. 

Glücklicherweise gibt es immer mehr Nachweise für einen direkten Zusammenhang. 

Was verstehen wir unter “Gesundheit” oder “Krankheit”? 

Wohlfühlangebote reduzieren Gesundheitsrisiken wie Blutdruck, Blutzucker oder Cholesterin nachweislich. 

Es bestehen nach wie vor Unklarheiten bei der Definition von Gesundheit, Wohlbefinden und Krankheit. Allgemein gesprochen: Je breiter die Interpretation dieser Begriffe, desto ganzheitlicher ist der Blick auf die Gesundheit Ihrer Belegschaft. 

Unter “Gesundheit” verstehen wir in diesem Fall, dass Ihre Mitarbeiter jeden Tag fähig sind, Ihre Möglichkeiten und Expertise voll auszuschöpfen. 

Der Begriff “Krankheit” lässt sich hingegen leichter definieren. Rund 75 % der Fehltage lassen sich leichten Beschwerden wie Erkältungen, Bauchkrämpfen und Kopfschmerzen zuschreiben. Es ist inzwischen bewiesen, dass eine ausgewogene Ernährung und Cardio-Training das Immunsystem so stärken, dass solche leichten Beschwerden besser abgewehrt werden können*⁴. 

Gesundheit 1, Fehltage 0! 

Mit diesen Fakten im Hinterkopf ergibt es für Firmen durchaus Sinn, Programme anzubieten, die die Mitarbeitern dabei unterstützen, ein gesünderes Leben zu führen

Der Grund für die restlichen 25% der Fehltage, die sich nicht mit leichten Beschwerden erklären lassen, sind meist Probleme des Bewegungsapparates*⁵.

Das ist durchaus nachvollziehbar, insbesondere bezogen auf Geschäftsfelder, in denen die Angestellten körperliche Arbeit verrichten. Dies erstreckt sich von offensichtlichen Berufsgruppen wie Bauarbeiter, Lohnarbeiter, Feuerwehrleute, Landwirte und Stuntmänner (zugegeben, die Anzahl der Stuntmänner ist eher gering) zu weniger risikoreichen Berufen wie Briefträger, Krankenschwestern, Flugbegleiter, Physiotherapeuten oder Verkäufer. Jeder Job, der mit langem Stehen oder dem Heben von schweren Gegenständen verbunden ist, kann Verletzungen nach sich ziehen. Natürlich sollten wir an dieser Stelle ebenso auf die Auswirkungen von langem Sitzen am Schreibtisch verweisen.

Auch in diesen Fällen kann Krafttraining dabei helfen, die benötigte Muskulatur aufzubauen und zu stärken; Yoga und Pilates können die Beweglichkeit verbessern; Schwimmen ist ideal für ein Workout ohne Gewichtseinfluss. Sie alle helfen dabei, die Gesundheit des Bewegungsapparates zu verbessern*⁶. 

Gesundheit 2, Fehltage 0. Wir freuen uns, dass wir den Vorsprung ausbauen können.

Zwar ist die mentale Gesundheit ein relativ kleiner Faktor in dieser Gleichung, aber dennoch hat sie immer mehr Einfluss auf Fehlzeiten. In den Vereinigten Staaten fehlen jeden Tag eine Million Angestellte aufgrund von Stress am Arbeitsplatz, Depressionen oder Angstzuständen. 

Das macht rund 1 % der gesamten Belegschaft aus und führt weltweit zu einem geschätzten Produktivitätsverlust von einer Billion Dollar*⁷.

Und wieder einmal ist der Zusammenhang zwischen physischer und mentaler Gesundheit offensichtlich und mehrfach belegt*⁸.

Einige Firmen fördern Meditation während der Mittagspause, errichten Nap Rooms, erlauben es Mitarbeitern, ihre Haustiere mit ins Büro zu bringen oder bieten die Möglichkeit zum Home Office an. 

Allein die Angestellten zu mehr körperlicher Aktivität zu ermutigen hat bereits einen überraschenden Einfluss auf die mentale Gesundheit. 

3-0. Game over? Noch nicht wirklich. 

  1. Einige Arbeitgeber sind noch immer nicht überzeugt. 
  2. Manchen Arbeitgebern ist der Zusammenhang zwischen Gesundheit und Fehlzeiten zwar bewusst, aber sie sehen den Mitarbeiter in der Verantwortung für sein Wohlbefinden. 
  3. Einigen Arbeitgebern ist der Zusammenhang zwischen Gesundheit und Fehlzeiten bewusst, aber sie glauben, sie können sich eine betriebliche Gesundheitsvorsorge nicht leisten. 

Die Ansicht der Arbeitgeber verändert sich, aber die Frage nach dem Return on Investment bleibt

Gesundheits- und Wellnessprogramme für Mitarbeiter sind nichts Neues. Daher gibt es inzwischen eine Vielzahl von Informationen und Case Studies zum Thema.  Tatsächlich stimmen 27% der Arbeitgeber zu, dass arbeitsbedingter Stress zu Krankmeldungen ihrer Arbeitnehmer führt*⁹. 

Währenddessen glauben 22% der Arbeitgeber, dass das Fehlen von Gesundheits- und Wohlfühlangeboten in ihren Firmen zu einer gesteigerten Zahl von gesundheitsbedingten Fehltagen geführt hat. 

Arbeitgeber, die glauben, dass Gesundheit und Wohlbefinden im Verantwortungsbereich jedes einzelnen Mitarbeiters liegen, sollten sich die folgende Untersuchung aus dem Vereinigten Königreich ansehen: Ein Drittel der Arbeitnehmer glaubt, dass die Arbeitsanforderungen sie daran hindern, die nationalen Richtlinien für Lebensweise, Ernährung und Bewegung zu befolgen*¹⁰. 

Die Zahlen spielen das Problem vermutlich sogar eher herunter. Der Service-Gigant Towers Watson*¹¹ hat herausgefunden, dass 98% der Arbeitnehmer von Stress beeinträchtigt sind und dass 97% Probleme mit der Work-Life-Balance haben. Noch immer gibt ein Drittel der Unternehmen an, es sei ihnen nicht möglich, Gesundheits- und Wohlfühlprogramme einzuführen, da sie den Return on Investment nicht nachweisen können. 

Wie sieht Erfolg aus? 

The Royal Mail

2003 war der Postdienstleister im Vereinigten Königreich, The Royal Mail, mit einer Fehlquote von 7% konfrontiert. Das entspricht 16 Fehltagen pro Angestellten pro Jahr, die dem Dienstleister ganze eine Million Euro pro Tag kosteten. Aufgrund der körperlichen Auswirkungen, die der Job mit sich bringt, bezogen sich viele Gesundheitsprobleme auf den Bewegungsapparat. 

In einer beeindruckend weitsichtigen Entscheidung führte The Royal Mail daraufhin ein Gesundheits- und Wohlfühlprogramm mit folgenden Bestandteilen ein:

  • Zugang zu betrieblichen Gesundheitsleistungen
  • Physiotherapeuten und Rehabilitations-Zentren
  • Psychologische Unterstützung 
  • Vergünstigte Fitnessstudio-Mitgliedschaften

Innerhalb der nächsten 4 Jahre fiel die Fehlquote auf 4%, was jährlich zu 6 weniger Krankheitstagen pro Mitarbeiter führte und dem Unternehmen Einsparungen von 240 Millionen Euro jährlich einbrachte. 

CIPROMS

CIPROMS könnte nicht gegensätzlicher zu The Royal Mail sein – ein Software-Unternehmen, das eine App für Ärzteabrechnungen entwickelt, überwiegend besetzt mit technisch-versierten Wissensarbeitern, insbesondere Entwicklern. 

2013 führte CIPROMS in einem Testlauf für 37 Mitarbeiter ein Wellnessprogramm ein, bestehend aus:

  • Schwarzen Brettern mit Orten, an denen die Arbeitnehmer Sportstätten oder Bauernmärkte finden können
  • Gesunden Alternativen in den Essensautomaten
  • Unterstützung, mit dem Rauchen aufzuhören
  • Umbau des Arbeitsplatzes, um das Laufen und Treppensteigen zu fördern

Bei allen genannten Punkten handelt es sich um sehr kleine und kostengünstige Veränderungen. CIPROMS fand heraus, dass sogar nach Abzug der Investitionen, die Kosten aufgrund von krankheitsbedingten Fehltagen jährlich um mehr als 60 € pro Mitarbeiter sanken*¹². 

Kurz gesagt: Gesundheits- und Wellnessprogramme werden sich am Ende selbst tragen. 

AON

Als die Consultingfirma AON darüber nachdachte, ein umfassendes Gesundheits- und Wellnessprogramm für seine Mitarbeiter anzubieten, entschieden sich die Verantwortlichen zunächst für einen Testlauf an einem Standort mit 50 Mitarbeitern*¹³. 

Das Programm hatte fünf Hauptbestandteile – Hydration, Fitness, Bildung, Entspannung und Ernährung – und bot eine Vielzahl von Möglichkeiten. Von der rabattierten Fitnessstudio-Mitgliedschaft bis hin zur Benutzung eines Schrittzählers und dem Bereitstellen von Obst. Die Gesamtkosten des sechsmonatigen Tests beliefen sich auf rund 8.000 €. 

Zu Beginn des Test verpassten die 50 Mitarbeiter krankheitsbedingt insgesamt 159 Arbeitsstunden. Diese Zahl sank im Laufe des Tests auf 34,5 Arbeitsstunden im letzten Testmonat.
AON verglich die Ergebnisse anschließend mit denen der Kontrollgruppe eines nahegelegen Büros, um die Repräsentativität sicherzustellen. 

Innerhalb des anderen Büros schwankte die Zahl der krankheitsbedingten Fehlstunden innerhalb derselben Zeitspanne enorm. Statt zu sinken war die Zahl jedoch im Schnitt sogar höher.

Stellen Sie sich vor, Sie könnten krankheitsbedingte Fehlzeiten in Ihrem Unternehmen um fast 80% senken. Was wäre es Ihnen in Bezug auf steigende Produktivität wert? Die Frage nach dem Zusammenhang zwischen Mitarbeitergesundheit und Fehlzeiten sollte gar nicht gestellt werden; vielmehr sollte es um den Return on Investment von Gesundheits- und Wellnessprogrammen gehen. Denn die Kernfrage lautet doch: Kann ich es mir leisten, eine Belegschaft zu haben, die nicht fit und gesund ist? 


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Referenzen:

*¹ https://www.cipd.co.uk/knowledge/fundamentals/relations/absence/absence-management-surveys
*² https://www.circadian.com/blog/item/43-shift-work-absenteeism-the-bottom-line-killer.html
*³ http://investorsinpeople.ph/wp-content/uploads/2013/08/The-Business-Case-for-Employee-Health-and-Wellbeing-Feb-2010.pdf
*⁴ https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3936633/
*⁵ http://www.theworkfoundation.com/wp-content/uploads/2017/03/Health_and_work_infographics.pdf
*⁶ https://www.msk.org.au/exercise
*⁷ https://www.forbes.com/sites/carleysime/2019/04/17/the-cost-of-ignoring-mental-health-in-the-workplace/#1d416c443726
*⁸ https://www.mentalhealth.org.uk/a-to-z/p/physical-health-and-mental-health
*⁹ https://www.employeebenefits.co.uk/mental-health-resilience/
*¹⁰ https://www.simplyhealth.co.uk/sh/pages/healthy-you
*¹¹ http://www.willistowerswatson.com
*¹² https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5724963/
*¹³ https://www.xperthr.co.uk/case-studies/case-study-aons-wellness-programme-reaps-rewards-at-low-cost/93593/

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